Internationales Deutsches Turnfest Leipzig


(Leipzig/Pforzheim) Vor wenigen Tagen hätte in Leipzig das Internationale Deutsche Turnfest gefeiert werden sollen, welches freilich auch der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen ist. Zur größten Breitensportveranstaltung der Welt wären auch ohne Zweifel wieder zahlreiche Athleten aus dem Turngau Pforzheim-Enz unter den erwarteten 100.000 Aktiven mit dabei gewesen. Für viele Turnerinnen und Turner stehen bei solchen Großveranstaltungen neben den Wettkämpfen aber vor allem auch die sozialen Kontakte im Mittelpunkt, die nach der Absage des Baden-Württembergischen Landesturnfestes im letzten Jahr in Ludwigsburg brach liegen. So erwähnt Ellen Felkl von der TSG Niefern, Jahrgang 1942, doch ziemlich betrübt: „Für mich wäre es wahrscheinlich das letzte Deutsche Turnfest gewesen und ich hätte mich gefreut Leipzig wiederzusehen. Leider ist nun daraus nichts geworden. Viel schlimmer finde ich aber, dass die Jugend nicht zusammen kommen kann. Denn bei einem Turnfest werden immer viele Kontakte geknüpft und viele Freundschaften geschlossen. Das wird bestimmt weniger schöne Auswirkungen auf den sozialen Charakter des Turnens haben“. Ähnlich sieht es Claus Augenstein vom TV Brötzingen, der zusammen mit seinem Bruder Roland letztmalig im Juni 2019 beim Bayrischen Landesturnfest zu Gast war: „Seit 1973 Stuttgart war ich fast bei allen Turnfesten dabei. Der soziale Charakter und das Zusammengehörigkeitsgefühl unter Gleichgesinnten sind enorm wichtig. Im Turnfestbuch steht: Turnfeste sind die Heimat der Seele“. Für ihn war aber das Turnfest auch nicht in Vergessenheit geraten. Anstatt eines Wettkampfes oder dem Absolvieren eines Fitness-Mitmachangebotes hat sich Augenstein das Shirt vom letzten Deutschen Turnfest in Leipzig im Jahr 2002 übergestreift und das Fitness-Programm im heimischen Garten absolviert. „Aber ich wäre ohne Zweifel lieber in Leipzig unter Gleichgesinnten gewesen“ führt er weiter aus. Ebenso in Erinnerungen schwelgt „Turn-Dino“ Harry Seiter von der WKG Wilferdingen-Nöttingen: „Im Jahr 2013 habe ich beim Deutschen Turnfest sogar mal einen ersten Platz gewonnen. Darauf habe ich so lange hin trainiert und dieser Moment wird für mich unvergessen bleiben“ führt er sehr emotional aus. „Ich hoffe, dass sich die gesamte Turnfestgemeinde im nächsten Jahr wieder zum Baden-Württembergischen Landesturnfest treffen wird, wenn ich fit bin gehe ich dann wieder an die Geräte“ blickt er doch auch mit Zuversicht nach vorne und absolviert das Krafttraining nach der ausgefallenen Verbandsliga-Runde im Kunstturnen in seiner Wohnung. Der 18-Jährige Finn Schneider aus Wilferdingen, der sowohl für die KTV Straubenhardt als auch für die WKG Wilferdingen/Nöttingen aktiv ist, war am Turnfestwochenende in freier Natur unterwegs und hat kurzerhand eine Bank quasi als Ersatz für ein Pauschenpferd umfunktioniert. „Es wäre ein tolles Deutsches Turnfest in Leipzig geworden, aber das Turnen ist stärker als Corona. Ich habe meine Kreisflanken auf der Bank geturnt und auch die Stützwaage war unter freiem Himmel doch was ganz Besonderes“ führt Finn Schneider aus. Sandy Walterspacher aus Pforzheim hat ihre „Turnfestübung“ ebenfalls in der Natur absolviert und präsentierte unter den Augen ihres Vaters Dirk einen sauberen Spagat bei blauem Himmel. Auch sie trauert der Absage des Turnfestes hinterher, zumal es für die 15-Jährige die Turnfestpremiere gewesen wäre. Solche oder ähnliche Momente werden sicherlich viele der normalerweise um die 300 Turnfest-Athleten aus dem Turngau Pforzheim-Enz über die Turnfesttage erlebt haben. Anstatt Wahlwettkämpfen, Pokalturnieren, Deutschen Meisterschaften in allen turnerischen Sportarten und Turnspielen, Besuch von Großveranstaltungen und Turngalas, Festzug, Übernachtung in Massenunterkünften war angesagt, die Turnfestzeit in heimischen Gefilden zu verbringen und quasi „seinen eigenen Wettkampf“ zu absolvieren. Trotz der jetzigen Lage ist aber für das nächste Jahr das Baden-Württembergische Landesturnfest vom 25.- 29. Mai in Lahr geplant, die Ausschreibung zum Turnertreffen wurde vor wenigen Tagen online veröffentlicht. Weitere Informationen unter: www.landesturnfest.de“.

rk (Ralf Kiefer)