WKG Wilferdingen/Nöttingen


(Remchingen) Wie in vielen Sportarten herrscht auch bei der Kunstturnriege der WKG Wilferdingen/Nöttingen momentan Ernüchterung. „Unlängst wurde die Saison in der Verbandsliga, die eigentlich Ende Februar hätte starten sollen, verschoben. Erstmals in den Juni und den Juli“ sagt der Wilferdinger Coach Dirk Walterspacher nüchtern. Sein Nöttinger Pendant Siggi Guigas ergänzt „ob dann wirklich geturnt wird ist mehr als unsicher. Mir tun die Turner leid, die sich in den letzten Wochen sehr diszipliniert zuhause vorbereitet haben, nachdem in den Trainingsstätten gähnende Leere herrschen musste und weiterhin muss“. Die Mehrkämpfer, die alle sechs olympischen Geräte turnen, benötigen in der Regel sechs bis acht Wochen Vorbereitungszeit um sich in der letzten Phase der Saisonvorbereitung fit zu machen. Der Liga-Beauftragte des Badischen Turner-Bundes Manuel Gäng nennt einen Saisonstart für den 12. Juni als frühestes Datum, obwohl sich die Liga dann mit vielen anderen geplanten Wettkämpfen überschneidet.

Dem Trainerteam Walterspacher, Guigas und Marco Ruf, der sich speziell um den Nachwuchs kümmert, steht die Riege nahezu unverändert zur Verfügung. Lediglich Jonas Becker fällt aufgrund eines Auslandsaufenthalts aus. Die „jungen Wilden“ Ramino Bolz, Jakob Ruppert, Niklas Walch, Luc Walterspacher bilden zusammen mit den Mehrkämpfern Jörg Planner, Heinz-Werner Haas, Marvin Hammer den Kern des Teams. Die erfahrenen Gerätespezialisten Heiko Waeldin und Gregor Graf sowie „Turn-Dino“ Harry Seiter gehen bei Bedarf an die Geräte. „Aufgrund Corona hatte ich ja keine Chance auf meinen endgültigen Rücktritt“ zeigt der 62-Jährige Seiter zumindest leichten Humor.

Sechskämpfer Jörg Planner schickt Bilder aus dem Home-Training aus den eigenen vier Wänden. Anstatt Turnmatten dient der Teppich als Unterlage zum Handstand-Stemmen, die Klimmzüge zur Kräftigung der Oberarm-Muskulatur absolviert Jörg Planner im Türrahmen. „Der wenige Platz auf dem engen Raum macht ein sinnvolles Training nahezu unmöglich“ erklärt der Turner, der seit Kindestagen an beim TV Nöttingen aktiv ist.

Glücklich mag sich der Athlet schätzten, der zuhause eigene Geräte stehen hat, so wie Trainersohn Luc Walterspacher. „Als ich damals das alte Pauschenpferd aus der Turnhalle meines Heimatvereins TV Oberdorf vor der Entsorgung mit nach Hause genommen habe, hat keiner damit gerechnet, dass dies nochmals so zum Einsatz kommen wird“ so Walterspacher-Senior. Schließlich hat das Turngerät in der Zwischenzeit 50-60 Jahre auf dem Buckel. Nun dreht der 12-Jährige Nachwuchsturner Luc in Zeiten der Pandemie seine Kreisflanken auf dem Pferd, das seinen neuen Platz in der Wohnung gefunden hat. Auch ein nicht mehr benötigter Barren dient dem Sportler als Trainingsgerät. „Der steht aber im Garten, das ist es gerade etwas kalt“ stellt Walterspacher-Junior verschmitzt fest.

„Egal ob wir gegen unsere Gegner Hettingen, Hanauerland, Iffezheim, Obergrombach oder Sasbach/Renchtal gewinnen oder verlieren ist unbedeutend. Wir würden einfach mal so gerne wieder in einer Sporthalle sein“ so Übungsleiter Walterspacher. Die Fakten bestätigen ihn, der letzte ausgetragene Wettkampf vor der Annullierung der Saison datiert vom 07. März vergangenen Jahres. So wünschen sich die Turner der WKG Wilferdingen/Nöttingen, dass der Trainingsbetrieb bald wieder startet. „Neben den sportlichen Leistungen hat bei uns einfach der gesellschaftliche Faktor einen sehr hohen Stellenwert“ hofft auch Guigas nahezu ratlos zumindest auf eine teilweise Rückkehr zur Normalität unter Einhaltung aller Corona-Verordnungen.

rk (Ralf Kiefer)